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"Heute Abend geöffnet" : Die Bauakademie als "Pflock" am Schinkelplatz

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Da steht sie wieder, die Schinkelsche Bauakademie und spiegelt sich selbstbewußt in der Glasfassade des Auswärtigen Amtes. 

Dem nimmt sie die Weitenwirkung und den Ausblick - der Friedrichswerderschen Kirche gibt sie ein würdiges Gegenüber. 

Noch wendet sich Schinkels Blick ab - zumindest der seiner Statue auf dem Schinkelplatz. Ob er einer Rekonstruktion zugeneigt gewesen wäre, sei dahingestellt. Ob eine Rekonstruktion aus heutiger Sicht  angebracht ist, soll hier auch nicht diskutiert werden.

Auf jeden Fall ist es ein cleverer Schachzug der Initiatoren - allen voran Hans Kollhoff, der am Abend des 11.8.2004 die Berliner Society um sich gescharrt hatte. Gemeinsam wartete man bei Sekt und Snack auf den Einbruch der Dunkelheit, um die Akademie-Atrappe (immerhin 46 x 46 m in den Ausmaßen) nicht nur als Kulisse zu bewundern, sondern auch als Juke-Box, als überdimensionierte Film-Projektions-Box.

Die Aufschrift "Heute abend geöffnet" soll in den nächsten Monaten nicht nur Architekten, sondern auch die Bürger und Touristen sensibilisieren. Ob die zur späten Abendstunde noch unter den Linden flanieren, sei dahingestellt - vielleicht hätte man die Projektionsfläche besser dem Nikolaiviertel zugewandt. Dort gibt es auch um 21:30 noch genügend Publikum.
Immerhin eine gewaltige technische und finanzielle Anstrengung. Zunächst für Gerüst und Fassaden-Surrogat. Kollhoff dankte Kleihues für die Herstellung der Kontakte zu Daimler Chrysler, die sich werbewirksam engagierten. 
Leider wird Josef Paul Kleihues, der zwei Tage später, in der Nacht zum 13.8. starb, nicht mehr erleben können, ob die Bürger-Initiative mit dem Plan, eine Komplett-Restauration des Gebäudes mit neuem Inhalt innerhalb von drei Jahren zu realisieren, Erfolg haben.
Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit lobte das private Engagement, betonte aber auch, dass sich die Stadt finanziell nicht am Aufbau beteiligen könne. Über die Grundbesitzfrage äußerte er sich nicht . . .
Hier einige Links:
http://www.internationale-bauakademie.com/
http://www.probauakademie.de/
http://www.schinkelsche-bauakademie.de/
Umso mehr muß man die Chuzpe der Initiatoren bewundern, ein städtisches Grundstück "instandzubesetzen" und einen deutlich sichtbaren Pflock einzuschlagen für die Rekonstruktion dieser erst 1962 zu DDR-Zeiten abgerissenen Inkunable Schinkelscher Ziegelarchitektur.

Neben der Errichtung der Physis machten sich die Initiatoren und ihr weltweiter Initiativkreis (bis hin zu den "Friends of Schinkel" in USA) Gedanken über eine inhaltliche Nutzung.

Die Initiatoren haben eine Art Architekturmuseum im Sinne, einschließlich Architekturarchiv. 
Auf diese Weise könnte Berlin an diesem extrem zentralen und prominenten Ort nicht nur ein Baudenkmal zurückerhalten, es wäre auch ein deutliches Signal, um die Popularisierung der Architektur zu unterstützen.

Das dies nicht nur rückwärtsgewand passieren muß, läßt der Film erwarten, der allabendlich projeziert wird: "vom Bauhaus zur Bauakademie" . . .
Ein filmisches Werk, dass leider per se nicht überzeugen kann, aber immerhin die Idee vermittelt, den Bogen zu schlagen zwischen Schinkel, klassischer Bauakademie, Bauhaus und der Jetztzeit. 

Ob allerdings im kommenden Herbst tatsächlich nennenswert viele Besucher 20 Minuten ausharren, um den Appetizer-Film über sich ergehen zu lassen, sei dahingestellt. Und Tatis "Mon Oncle", der ebenfalls über die Leinwand huscht - in Originalversion mit englischen Untertiteln - kann man sich ebensogut in der soeben erschienenen DVD-Version im warmen Wohnzimmer ansehen.