Hier der Artikel
"ARCHITEKTUR ONLINE"
aus dem Deutschen Architektenblatt 11/95


Sie können als Leser entscheiden, ob Sie bereit sind, derartig lange Artikel am Bildschirm zu lesen, besser erst auszudrucken, oder ob man sich nicht (wie z.B. der SPIEGEL) Gedanken darüber machen muß, ob das neue Online-Medium nicht nicht einer anderen, häppchenweiseren, Aufbereitung bedarf. Auch das zukünftig in WWW integrierte PDF-Format bietet einige Perspektiven!
Vorteil der Online-Darstellung: Schnelligkeit (Vermeidung der langen Druck-Vorlaufzeit), evtl. mögliche Überarbeitung (der DAB-Artikel enthielt beispielsweise eine falsche Abbildung), Farbfotos sind möglich, die Kopie von Textstellen ist möglich etc.
Hier der Original-Text (mit bewußt unleserlich kleinen Abbildungen - sie können bei Bedarf durch Anklicken vergrößert werden):

Architektur Online

Harald Gatermann

Das Internet-Fieber hat weite Teile der Bevölkerung ergriffen im Jahre 1995 - den Eindruck muß man bekommen, wenn man Computerzeitschriften aufschlägt, aber auch seriöse Nachrichtenmagazine bis hin zur Tageszeitung mit der täglichen Internet-Hitparade.

Wie wohltuend auf den ersten Blick, daß sich zumindest die Architekturzeitschriften da etwas heraushalten. Denn deren Klientel, die oft nicht sehr technikbegeisterten Architekten, reagieren doch immer noch recht zurückhaltend auf derartige Neuerungen. Kaum zu glauben, daß sich das Faxen so schnell durchgesetzt hat - auch die Computer-Präsenz in Architektur-Büros liegt inzwischen bei sagenhaften 80%. Davon ließ sich sogar mehr als die Hälfte im Jahre 1995 von der Notwendigkeit eines CD-ROM-Laufwerk überzeugen! Und jetzt noch Internet, Online, Modem, ISDN?? Das muß doch zuviel sein!

Screen-Shot Windows-Prog.-Gruppe ca.3kB

Abb 1: Per Mausklick kann man sich in das Online-System seiner Wahl einwählen - im Moment für Architekten am besten per BTX-Nachfolger "T-Online", der auch einen Ausflug ins Internet gestattet.

Wer die ungeheuren Datenmengen schätzengelernt hat, die per CD-ROM ins Haus geliefert werden (primär zur Software-Installation, vermehrt aber auch mit bauspezifischen Produkt- und Textinformationen bis zu VOB und HOAI), wird auch eine kleine Nebensächlichkeit diagnostiziert haben: das Aktualisierungsloch zwischen Redaktionsschluß der CD und dem Zeitpunkt der Nutzung. Fast alle CD-ROM-Anwendungen leiden darunter: der Bücher-CD fehlen die letzten Vorankündigungen und Neuerscheinungen, der Produkt-CD die neuesten Ergänzungen etc.

Diese Lücke zu schließen, könnte - zumindest aus (Erwartungs-)Sicht der Architekten - eine Aufgabe von Online-Diensten sein bzw. werden.

Aus Sicht der Betreiber solcher Online-Dienste, sei es das unkommerzielle Internet oder die kommerziellen Dienste T-Online (das frühere BTX), Compuserve, America Online, Europa Online oder Bill Gates Branchenschreck MSN (Microsoft Network) sind alle Computer-Nutzer angesprochen (schwerpunktmäßig aber Privatpersonen) und es gibt manchmal wenig Brauchbares für eine kleine Rand-Gruppe wie die Architekten.

Im Folgenden seien deshalb die verschiedenen Online-Dienste aus Sicht eines Architekten kurz beschrieben. Doch zuvor einige technische Erläuterungen:

Alle Online-Dienste nutzen irgendeine Art der "Datenfernübertragung". Dabei werden digitale Daten aus dem Computer entweder auf das analoge Trägersignal des Telefons "aufmoduliert" und auf Empfängerseite "demoduliert" (hierzu benötigt man ein "MoDem" plus Software) oder sie werden per ISDN-Telefonleitung direkt digital übertragen. Der heimische PC (ebenso wie Mac und Workstation) bekommt einen Anschluß an das Telefon- bzw. ISDN-Netz.

Auf der anderen Seite kann nun ein einzelner Rechner stehen (z.B. im Baubüro, beim Fachingenieur, beim Softwarelieferanten). In diesem Fall benutzt man bisweilen noch den etwas altmodischen Begriff "Datenfernübertragung" oder DFÜ. Sie kann uni-direktional sein (Abrufen von Daten), sie kann bidirektional sein (interaktives Bearbeiten an CAD-Programmen oder Video-Konferenzen.

Auch die sog. Mailboxen, d.h. die elektronischen Briefkästen, die zunächst von Computerfreaks eingerichtet wurden, um Programme, Daten und Informationen auszutauschen, sind Direktverbindungen zu fremden Rechnern.

Der Computer-Fachmann im Architekturbüro benötigt bisweilen eine dieser Mailboxen, um neueste Grafikkartentreiber direkt beim Hersteller "online" abzurufen statt sie sich per Diskette schicken zu lassen.

Für den "normalen" Architekten am PC sind Mailboxen jedoch viel zu umständlich in der Benutzung und bislang auch kaum sinnvoll einsetzbar gewesen.

Doch zum Glück hat uns der Zeitgeist eine weitaus angenehmere Variante der Mailbox beschert: das Online-Netz, das technisch vergleichbar ist mit einer Mailbox, nur eben nicht als Direktverbindung zweier Computer, sondern als vielzitierte Daten-Autobahn mit vielen Auf- und Abfahrten.

Als Benutzer kann man auf diese Weise sehr komfortabel (im einfachsten Fall per Mausklick unter Windows) auf den Datenhighway gelangen und hat hier nicht nur einen Dialogpartner, sondern unzählig viele und kann diese sehr schnell wechseln und trotzdem den Vorteil einer gleichen Benutzeroberfläche ausnutzen.

Man muß zunächst unterscheiden zwischen den geschlossenen Netzen, die die Online-Dienste anbieten wie T-Online, CompuServe etc. (diese arbeiten zunächst netzintern und gestatten nur den Zugriff auf Datenanbieter, die dem eigenen Dienst angeschlossen sind) und dem globalen Netzwerk Internet, das bewußt dezentral geschaffen wurde und das weltweit die verschiedensten Rechner und Rechnernetze verbindet.

Screenshot BDIS in BTX/CEPT ca 3kB

Abb 2: Erscheinungsbild des BTX-Nachfolgers T-Online (Telekom-Online) im alten CEPT-Standard - Hier am Beispiel der Bau-Daten-Information *BDIS#

Screen-Shot Windows-Prog.-Gruppe ca.3kB

Abb 3: Das Beispiel einer Architekturseite zeigt die "Hyperlink"-Funktion: per Zahlencode wird zur nächsten Informationsseite weitergeschaltet.

Nun eine Charakterisierung der einzelnen Dienste:

1. das nationale Online-Netzwerk BTX entstand vor ca. 10 Jahren, basierend auf der Idee des Engländers Sam Fedida, der Mitte der siebziger Jahre die Vision hatte, Fernsehen und Telefon zu kombinieren und dies "Viewdata" nannte. Bis heute sieht man dem ehemaligen "Bildschirmtext" BTX bzw. dessen Nachfolger "T-Online" die Fernsehtradition an: es sieht ähnlich grobklotzig und unattraktiv aus wie die Videotext-Seiten am heimischen Fernseher. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb BTX bei uns beinahe in der Versenkung verschwunden wäre (im Gegensatz zu dem ähnlich konzipierten MINITEL in Frankreich, das sich großer Beliebtheit erfreut und ca. 7 Millionen Benutzer zählt, während BTX trotz neuen Namens die Millionengrenze noch immer nicht erreicht hat). Erst die Anbindung des populären PC statt des Fernsehers und ein geschicktes Marketing reanimierten BTX, das daraufhin den Namen Datex-J erhielt und seit der Funkausstellung 1995 T(elekom)-Online heißt. Doch auch die Propagierung von Homebanking war noch nicht der große Hit. Die Adaption auf den PC (incl. MAC, Amiga, Atari) ließen das antiquierte Erscheinungsbild in der mausbedienten Grafik-Umgebung peinlich aussehen - das schon erwähnte "grobklotzige" Outfit namens CEPT. zudem umständlich bedienbar durch mancherlei exotische Tastenkombinationen: so heißt die typische Adresse *NAME#, weiter kommt man dann per Zahleneingabe, die wesentlichen Steuerelemente muß man wie Vokabeln lernen, *72#, *03# etc.

Von CEPT zu KIT

Die Telekom schaute über die Grenzen, sah, daß gerade der US-Marktführer CompuServe sehr viel PC- bzw. Windows-Komfort bot und entwickelt seit einem Jahr einen neuen Multimedia-Darstellungsstandard namens KIT (Kernsoftware für intelligente Terminals). Wie bei CompuServe oder WWW-Browsern für das Internet werden Daten auf dem PC zwischengelagert und nicht jedesmal frisch "durch die Leitung gepumpt". Auf diese Weise lassen sich Ladezeiten im Netz reduzieren. Der neue KIT-Standard (nur mit speziellen KIT-Decodern zu empfangen, die jedoch seit kurzem von der Telekom kostenlos ausgeliefert werden) ermöglicht sämtliche PC-Multimedia-Ressourcen zu nutzen (Bild, Ton, Video, Animation) und umfaßt die gewohnte Windows-Bedienung (Maus, Schaltknöpfe, Hyperlinks).

Bisher präsentieren sich ca. 50 Institutionen und Firmen im neuen KIT-Outfit.

Für den Benutzer, vor allem auch für Augenmenschen wie die Architekten, ist die Akzeptanz mit Sicherheit größer geworden durch KIT, denn es ist einfach zeitgemäß und durch die erhöhten Leitungsgeschindigkeiten der Telekom (statt 2400 Zeichen pro Sekunde gab es in diesem Jahr die Umstellung auf 14400, per ISDN gar auf 68000) auch vom Reaktionsverhalten sehr komfortabel (zum Vergleich: CompuServe arbeitet mit 9600 Bits/sec)

Screen-Shot BTX/KIT ca.3kB

Abb 4: Typische T-Online-Präsentation nach dem neuen KIT-Multimedia-Standard: flexibles Seitenlayout, Grafik-Einbindung, Verwendung der Maus-Klick-Funktionalität

Was findet man als Architekt bei T-Online?

Man sollte unterscheiden zwischen dem reinen Hobbynutzer, der nach Feierabend seine Banküberweisungen online macht oder die Kataloge der Last-Minute-Reiseanbieter studiert und einem professionellen Nutzer, der z.B. als Architekt neben seinen Tagesaufgaben auf dem PC das BTX-Icon anklickt und Informationen ordert von Architektenkammer, Verbänden, Herstellern. Hierzu ist zur Zeit noch wenig zu finden in T-Online. Einige Firmen bieten Informationen an zu Wintergärten, CAD-Software, aber es sind nicht viele.

Neben der Kontoführung bei der Bank (einige Kollegen betreiben das mit Erfolg) wird die Nutzung dieses Online-Netzes erst richtig interessant, wenn genügend Anbieter präsent sind. Hier ist es ähnlich wie bei der Einführung der Fax-Geräte: ein Fax-Gerät allein macht keinen Sinn, erst die allgemeine Verfügbarkeit "bringt´s".

Ähnliches ist aus Architektensicht dem T-Online zu wünschen: erst wenn viele Anbieter und viele Nutzer dabei sind, wird es ein ernstzunehmendes Medium. Unser Nachbarland Frankreich hat mit seinem nationalen Online-Dienst Minitel einen gewaltigen Vorsprung (auch was die Verbreitung und Akzeptanz unter Architekten betrifft). Jede größere Institution in Frankreich und zahlreiche Privathaushalte nutzen die Minitel-Terminals und es gibt nach Auskunft von Kennern diverse Informationsangebote im Architekturbereich.

Ähnliches ist aus Architektensicht dem T-Online zu wünschen: erst wenn viele Anbieter und viele Nutzer dabei sind, wird es ein ernstzunehmendes Medium. Unser Nachbarland Frankreich hat mit seinem nationalen Online-Dienst Minitel einen gewaltigen Vorsprung (auch was die Verbreitung und Akzeptanz unter Architekten betrifft). Jede größere Institution in Frankreich und zahlreiche Privathaushalte nutzen die Minitel-Terminals und es gibt nach Auskunft von Kennern diverse Informationsangebote im Architekturbereich.

Wer sich (vielleicht per T-Online) ins Internet wagt, wird feststellen, daß der amerikanische Berufsverband AIA dort bereits ein Online-Angebot pflegt (www.aia.org), viele Institutionen und Firmen aus dem Baubereich vertreten sind und wir in Europa mal wieder ganz schön hinterherhinken im Angebot und in der Akzeptanz der Benutzer.

Neben der Multimedia-Fähigkeit von T-Online ist es vor allem die Daten-Sicherheit beim Buchen von Veranstaltungen und Seminaren oder beim Ordern kostenpflichtiger Dinge, die für T-Online sprechen: jeder Nutzer ist anhand seiner BTX-Nummer identifizierbar (auch einzelne Mitarbeiter im Büro). Die anfallenden Rechnungsbeträge bei Bestellungen (z.B. für Bücher) werden direkt mit der Telefonrechung abgebucht.

Dies vereinfacht die Organisation auf Anbieterseite und vermeidet die Unsicherheiten, die bei anderen Online-Diensten mit der Bekanntgabe der Kreditkarten-Nummer über´s Netz verbunden sind.

Vor kurzem entschied sich die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen für T-Online und es wird für deren Mitglieder in Kürze möglich sein kostenlos Informationen abzufragen, kostenpflichtige Broschüren und Unterlagen zu bestellen oder ein Seminar aus dem Akademieprogramm zu buchen.

Leider zögern Bauindustrie, Verbände, Bauzeitschriften noch, auf den Online-Zug aufzuspringen bzw. sind erst noch dabei, Ihre Daten in digitaler Form aufzubereiten. Erst dann wird es möglich sein, bei Bauzeitschriften nach Artikeln zu bestimmten Stichworten zu recherchieren und sich die gefundenen Artikel direkt auf dem eigenen Drucker auszudrucken. Auch die Bauindustrie könnte die allmählich auf den Markt kommenden CD-Roms durch Online-Informationen ergänzen. Interessanterweise ist der KIT-Standrad darauf vorbereitet, mit CD-Roms zusammenzuarbeiten, denn trotz steigender Übertragungsgeschwindigkeiten bietet selbst ISDN allenfalls Zugriffsgeschwindigkeiten, wie man sie von Diskettenlaufwerken gewohnt ist. Große Datenmengen, die sich nicht ständig ändern, werden auch in naher Zukunft zweckmäßigerweise per CD-Rom transportiert.

In T-Online sind es bisher hauptsächlich Dienste, die im Alltagsgeschäft nützlich sind: die Telefonauskunft *ETB# und die Faxauskunft *EFAX# bieten eine Alternative zur ständig besetzten Telekom-Auskunft, *BAHN# oder *EFA# geben Auskunft über öffentliche Verkehrsmittel und -verbindungen. Die größeren deutschen Messeveranstalter sind vertreten (Messe#) und ermöglichen die Vorabrecherche nach Ausstellern und Veranstaltungsprogrammen. Exkursionen und Städtetrips kann man vorbereiten durch Anwahl der Städtenamen wie *BERLIN#, *HAMBURG#, *ESSEN# etc.

Ein wichtiger Punkt ist die Abfrage von Datenbanken. Während es im Wirtschaftsbereich einige Datenbanken gibt (z.B. Wer Liefert was?), ist im Architekturbereich nur das IRB (Informationszentrum Raum und Bau) mit seinen Datenbanken RSWB und ICONDA vertreten über *STNK# - allerdings nur für Experten und Kunden bedienbar.

Screen-Shot CIM-Manager ca.3kB

Abb 5: CIM, der Compuserve-Information-Manager, war schon frühzeitig auf gewohnten Windows-/Mac-Komfort ausgelegt und Vorbild für andere Online-Dienste - nur gibt´s bei CompuServe leider zum Thema Architektur nicht allzuviel zu finden (das Thema CAD/CAAD ist dafür ergiebiger, allerdings nur für die US-Szene)

2. das amerikanische Online-Netzwerk CompuServe als privatwirtschaftlich organisiertes Datennetz lebt nicht von den Telefonkosten (T-Online übrigens auch nicht - hier gibt es noch zusätzliche Gebührenticker für Online-Zeit und gebührenpflichtige Dienstleistungen), sondern stellt, abgesehen von einigen kostenlosen Basisdiensten, gebührenpflichtige Informationen zur Verfügung.

Sehr gut organisiert und komfortabel in der Bedienung ist der elektronische Postversand ("e-mail"), der jedoch eher für Privatpersonen ohne Fax-Anschluß gedacht ist - denn während das Fax-Gerät automatisch die empfangenen Seiten auswirft, müssen Sie bei CompuServe schon auf Leitung sein, oder sich zumindest regelmäßig einwählen, um in den email-Briefkasten zu sehen. Außerdem gibt es, da alles über den Zentralrechner in USA läuft, unerwartete Brieflaufzeiten von bisweilen mehreren Stunden.

Einen besonderen Schwerpunkt bei CompuServe stellen (neben electronic shopping) sicherlich die sogenannten Diskussionsforen dar. Hier spürt man als Neueinsteiger den Wind einer völlig neuen Denkweise: zu bestimmten Themen gibt es Informationen, aber auch schwarze Bretter, wo Nutzer Kommentare und Tips hinterlassen können und es gibt Online-Konferenzen, wo sie zunächst feststellen können, wer gerade "auf Leitung" ist und kommunizieren will.

Ein Beispiel: der amerikanische Architekt und CAD-Experte Bradley M. Holtz moderiert ein Diskussionsforum der CAD-Anbieter ("CADD-Vendors"): GO CADDVE

Wer des amerikanischen mächtig ist oder amerikanische Software benutzt, kann bei CompuServe auf seine Kosten kommen, im deutschen Sprachraum gibt es bisher wenig Architektur-Interessantes (nur für die Computerbastler gibt es Foren deutscher Anbieter wie GO MIRO, GO ELSA,).

Doch die Idee der Foren ist faszinierend (und auch übertragbar auf andere Online-Dienste): vom schwarzen Brett (das reine Plazieren von Nachrichten) über eine erweiterte Leserbrieffunktion (Kommentierung von Zeitschriftenartikeln) über Chat-Runden zu bestimmten Themen an bestimmten Tagen (z.B. "wir diskutieren über die Reichstagskuppel montags ab 22.00h . . . ") sind viele Spielarten denkbar.

Doch wer hat dazu im Büroalltag schon Zeit? Also muß man solche Spielereien schon auf die Abendstunden verlegen - getreu der Prognose von Digitalpapst Nicholas Negroponte (sein Bestseller "Total Digital" ist soeben auf deutsch erschienen), der für die Zukunft den Anteil des täglichen TV-Konsums zugunsten der privaten Online-Nutzung schwinden sieht.

3. über die anderen kommerziellen Online-Netzwerke Amerika Online, Europa-Online, eWorld und MicrosoftNetwork zu berichten, lohnt sich zur Zeit noch nicht, da sich diese größtenteils im Aufbau oder in Testphasen befinden und im Architekturbereich ohnehin keinen Schwerpunkt sehen werden.

Diagramm ca.3kB

Abb 6: Mailbox als Direktverbindung, Netzwerke als Verbindung mit wechselnden Partnern (obwohl nur einmal gewählt werden muß - per Mausklick auf ein Windows-Icon)

4. das globale, unkommerziell gestartete Netz der Netze, Internet, hat vier Säulen:

- email, die elektronische Post (die ich persönlich nicht so interessant finde, seit es Fax gibt)

- telnet, die Fernsteuermöglichkeit für andere Rechner (u.a. wichtig für Literaturabfragen in fernen Bibliotheken wie der Technischen Informationsbibliothek (TIB), allerdings nicht sehr bedienungsfreundlich

- ftp, die Möglichkeit, in aller Welt nach Dateien zu suchen, beispielsweise nach DXF-Dateien mit netten CAD-Accessoirs, um sie sich auf den eigenen Rechner zu spielen.

Screenshot AIA ca.3kB

Abb 7: Eine der interessantesten Adressen im Web: die WWW-Präsentation des American Institutes of Architects mit interessanten Informationen und zahlreichen nützlichen Querverweisen

- und natürlich den Hit des Jahres, WWW (Wunder werden wahr . . .) das World-Wide Web, das weltweite Spinnennetz, das in äußerst geschickter Form präsentiert wird und mit Hilfe sog. Hyperlinks die direkte Weiterschaltung von markierten Textstellen zu anderen Informationsquellen auf der ganzen Welt bietet - und das in faszinierender Echtzeit! Der Buchtitel "Um die Welt in acht Sekunden" ist nicht übertrieben!!!

Um in das Internet einzusteigen, gibt es mehrere Varianten: zum einen über sog. Provider, die für einen monatlichen Beitrag einen Internet-Zugang ermöglichen, über große Firmen oder Hochschulen, seit neuestem aber auch sehr bequem über die klassischen Online-Dienste T-Online, CompuServe etc.

Wer noch keinen Online-Anschluß hat oder das bisher dem Nachwuchs überlassen hatte, sollte nicht zögern, den baldigen Einstieg zu suchen. Dabei kann man T-Online als Einstiegsmedium durchaus empfehlen.

Was findet man als Architekt in WWW?

Noch ist leider wenig an konkreten Architektur-Angeboten im deutschsprachigen Raum zu finden: hier haben einige Architekturfakultäten an Hochschulen etwas zu bieten, Firmen und Institutionen bisher aber kaum.Ein Blick über den Ozean aber zeigt, wie es auch in Kürze bei uns aussehen könnte: dort präsentiert sich der amerikanische Berufsverband AIA (American Institute of Architects) mit dem Ziel der Selbstdarstellung, Mitgliederwerbung, hauptsächlich aber mit Mitgliederservice: Bücherhinweise und Verweise auf Datenbanken und Online-Anbebote anderer Institutionen und Firmen aus der Baubranche. Hier die Adresse: http://www.aia.org

Screenshot ARCHINET ca.3kB

Abb 8: ARCHiNET, die elektronische Architekturzeitschrift im Internet

Screenshot Architekturbuero HOK ca.3kB

Abb 9: Sogar Architekturbüros (hier Hellmuth, Obata + Kassabaum) nutzen in USA das Internet zur Selbstdarstellung

Wenn Sie hereinschauen, vergessen Sie bitte nicht Jeanne Brown´s weltweit recherchierte Architektur-Adressenliste oder Rodney Hoinkes Virtuelle Bibliothek in Toronto anzusehen. Wem dies zu international ist, kann auch mal in Bochum vorbei"surfen": http://www.fh-bochum.de/fb1/archinet.htm Hier gibt´s gesammelte Architektur-Adressen aus dem deutschsprachigen Raum und es gibt mit ARCHiNET ein E-Zine (ein elektronisches Magazin nach amerikanischem Vorbild). Nicht nur Spiegel, Playboy und andere profane Online-Literatur gibt es in WWW, sondern auch bereits Architekturzeitschriften wie Architronic, Plan oder eben Archinet.