.

Stichwort: Jahresinhaltsverzeichnisse

Der folgende Artikel entstand als Reaktion auf die Glosse betrifft: cd\c:\inhalt95.bmp von Benedikt Hotze in der Bauwelt vom 8.3.96, wo die Methoden der inzwischen weitgehend per Diskette erhältlichen Jahresinhaltsverzeichnisse kritisch gegenübergestellt wurden.
Wer den Artikel gerne im Original-Layout hätte, darf die PDF-Datei laden (entweder nur die Textversion mit 14kB oder gar die Version mit Abbildungen) mit 125kB

Harald Gatermann

Der Leser als Disk-Jockey: unkoordinierte Herausgabe von Jahresinhaltsverzeichnissen auf Diskette

Egal, ob die Zeitschrift A(rchitekenblatt), B(auwelt), d(b) oder D(BZ) heißt - in allen Redaktionen hat der PC oder MAC Einzug gehalten und die Damen und Herren Redakteure soweit EDV-technisch sensibilisiert, daß sie begriffen haben, welche Vorteile Datenbanken haben, im einfachsten Fall gefüttert mit allen redaktionellen Beiträgen der letzten Jahre.
Diese Datenbank gab es natürlich längst vor der Popularisierung des Computers, sie wurde vermutlich buchhalterisch von Hand geführt und am Ende des Jahres zu Papier gebracht und nennt sich "Jahresinhaltsverzeichnis".
Wer eine Zeitschrift abonniert, freut sich im Dezember bzw. Januar über ein beigelegtes Exemplar, den Rest des Jahres (bis November bzw. Dezember) ärgert man sich, daß man Artikel, die man noch im Kurzzeitgedächtnis hat und die drei oder vier Monate alt sind, leider ohne Jahresinhaltsverzeichnis durch mühsames Blättern mehrerer Hefte aufspüren muß. Hat man gar mehrere Zeitschriften abonnniert, multipliziert sich der Suchaufwand.
Am Prinzip der Jahresinhaltsverzeichnisse änderte sich leider auch nichts, als die Redaktionen (oder die dahinterstehenden Verlage) den PC als nützliches Werkzeug erkannten. Zwar füttern Sie inzwischen Datenbanken mit allen Jahresinhaltsverzeichnis-relevanten Daten (Autoren, Orten, und natürlich Heft-Nummer und Seitenangabe), aber nur sie selbst haben während des Jahres den Nutzen davon. Die Leser bekommen allenfalls einmal im Jahr eine Diskettenversion geliefert (entweder kostenlos oder gegen üppige Gebühr). Zum Ärger all derer, die mehr als eine Zeitschrift abonniert haben, müssen Sie nun auf der Suche nach einem Artikel über, sagen wir mal, das Thema "Kombibüro", Diskette A, Diskette B, Diskette D etc. einlegen, sich in unterschiedlichen Rechercheprogrammen zurechtfinden und die Ergebnisse mühsam zurechtkopieren. Da sehnt man sich doch das Wunderwerk herbei, das man in Studententagen schon benutzen konnte: den API (Architect´s Periodical Index, ein hauptsächlich in Universitätsbibliotheken geführtes Meisterwerk britischer Herkunft!). Herausgegeben vom britischen Architektenkammer-Pendant RIBA (Royal Institute of British Architects), war und ist dies eine viertel(!!)jährlich erscheinende Zeitschrift, die die Inhaltsverzeichnisse mehrerer (internationaler, somit auch deutscher) Architekturzeitschriften auswertet und nach Rubriken sortiert. Die Suche nach dem Kombibüro wirft dann die Ergebnisse gleich mehrerer Zeitschriften aus und dies nicht nur jährlich, sondern sogar vierteljährlich! Und völlig ohne Computereinsatz (zumindest auf Leserseite!). Doch was machen unsere Zeitschriftenredaktionen: sie tolerieren offensichtlich keine Fremdgänger und lesen selbst nur das eigene Blatt - wie sonst kann sich sonst diese Kultur der "Insellösungen" entwickelt haben? Auch haben Sie vor lauter Tagesstress offenbar keine Gelegenheit, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu registrieren, was im eigenen Lande so passiert. Man muß gar nicht nach England schielen - in Stuttgart gibt es seit Jahren das IRB (Institut Raum und Bau der Fraunhofergesellschaft), das ähnliches leistet wie die RIBA mit dem API: jahrzehntelang wurden dort kleine Karteikarten produziert, wo die Zeitschriftenartikel nicht nur mit den rudimentären, vom Jahresinhaltsverzeichnis bekannten Angaben wie Ort, Architekt, Autor, Heft- und Seitenangabe vermerkt wurden, sondern mit einem mühsam in Hand- und Kopfarbeit erstellten "Abstract", einer von Fachredakteuren geschriebenen inhaltlichen Zusammenfassung sowie einer Liste von "Descriptoren", also Stichworten, nach denen sortiert werden konnte. Diese Karteikarten sind schon vor geraumer Zeit durch eine CD-ROM ersetzt worden, die man abonnieren kann und die ebenfalls die Standardangaben sowie Abstract und Descriptoren der Zeitschriftenartikel deutscher Bauzeitschriften enthält (und obendrein der Fachbücher). Man kann sich entweder diese CD-ROM abonnieren (sie wird allerdings auch nur zweimal jährlich aktualisert) und darauf suchen nach einem Stichwort, nach Ort, Autor, Architekt etc.(sogar nach Kombinationen aus mehreren Suchkriterien, z.B. Kombibüros in Berlin). Dann kann es allerdings passieren, daß man Suchergebnisse bekommt über Artikel in italiensichen oder portugiesischen Zeitschriften. Deshalb kann man auf Wunsch auch einen Service in Anspruch nehmen, der sich nur auf die im eigenen Hause vorhandenen Zeitschriften bezieht. Das wäre doch was für die Zeitschriftenredaktionen: Sie brauchten noch nicht einmal mehr eigene Jahresinhaltsverzeicnisse zu führen und schon gar nicht auf Diskette zu bringen! Sogar der Nachteil der halbjährlichen Aktualisierungslücke ist seit Kurzem aufgehoben worden: man muß nicht einmal mehr die CD-ROM einlegen, sondern kann die Abfrage online starten im Internet: damit wird die Recherche tagesaktuell, bzw. entspricht dem Tempo, in dem die fleissigen Auswerter/innen in Stuttgart ihre Datenbank füttern. Im Idealfall sind am Tag des Erscheinens einer Zeitschrift die darin enthaltenen Artikel mit allen oben genannten Angaben einschließlich Abstract erfaßt und von jedem Ort der Welt abrufbar. Mehr dazu online: http//www.fh-bochum.de/fb1/archinet.htm Bei der Gelegenheit noch eine Zukunftsvision: aufmerksame Leser und vielleicht auch die Nutzer der beschriebenen Recherchemedien haben natürlich gemerkt, daß sowohl die Jahresinhaltsverzeichnisse wie auch die Datenbankauswertung einen entscheideneden Nachteil haben: als Ergebnis bekommt man nur die Fundstelle (vielleicht noch einen Abstract). Das Original muß erst gefunden werden: im eigenen Hause (hoffentlich ist das betreffende Heft nicht gerade verschwunden), in Bibliotheken oder per Fernleihe in der Technischen Informationsbibliothek Hannover. Als Optimallösung kann nur gelten: der Zeitschriftenartikel muß im Original-Layout online auf dem Bildschirm erscheinen und bei Bedarf ausdruckbar oder digital auswertbar sein. Die Technologie ist vorhanden und wird von einigen Zeitschriften auch schon angeboten: den Spiegel bekommt man schon als ganzen Jahrgang auf CD gepreßt, im Originallayout und nach Stichworten recherchierbar! Obendrein gibt es diese Version auch online! Die technischen Voraussetzungen sind ebenfalls nicht überzogen: die technische Aufbereitung zwischen Redaktion und Druckprozess geschieht heutzutage ohnehin digital, d.h. die Zeitschriftenseiten werden nicht mehr manuell mit Bleilettern gesetzt, sondern am Bildschirm und im dazugehörigen Computer aufbereitet. Die Daten, die normalerweise der Seitenbelichtung in der Druckerei dienen (sog. Postscript-Dateien), werden komprimiert in das von Adobe entwickelte PDF-Format (Portable Document Format) und auf CD gebracht oder online zur Verfügung gestellt. Das Leseprogramm heißt Acrobat-Reader, ist für PC und MAC verfügbar und darf kostenlos benutzt werden (Adobe verdient nur an denjenigen, die Ihre Daten mit Acrobat Pro in PDF-Dateien umsetzen). Jetzt sollten nur die Architekturzeitschriften den Zug der Zeit erkennen und wie DER SPIEGEL PDF-Daten erzeugen. Damit wären zwei Ziele erreicht: erstens die Verfügbarkeit des Original-Layoutes, die gemeinsame Oberfläche und Bedienbarkeit für alle Zeitschriften und obendrein noch die Recherchierbarkeit nach allen in den Originalartikeln vorkommenden Begriffen.